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Israel Shahak:
Jüdische Religion,
Jüdische Geschichte
(Book online)
4
 


Israelischer Expansionismus

Die größte Gefahr, die Israel als "Judenstaat" für seine eigenen Einwohner, andere Juden und seine Nachbarn bildet, ist die ideologische Motivierung der territorialen Expansion und der unvermeidlichen Kriege, die dieses Ziel nach sich zieht. Je stärker Israel, wie man im Hebräischen sagt, jüdisch wird und je mehr es zum "Judaismus zurückkehrt" (ein Vorgang, der sich in Israel seit mindestens 1967 vollzieht), desto stärker richtet sich die Realpolitik an jüdisch-ideologischen Zielen und weniger an rationalen Überlegungen aus. Der von mir verwendete Begriff "rational" bezieht sich nicht so sehr auf eine moralische Bewertung der israelischen Politik oder auf angenommene Verteidigungs- oder Sicherheitsbedürfnisse Israels - noch weniger auf die unterstellte Gefährdung des "Überlebens Israels". Ich meine hier die israelisch-imperialistische Politik, die auf den mutmaßlichen Interessen des Landes beruht. Wie moralisch schlecht oder politisch rüde eine solche Politik auch sein mag, ich betrachte die Durchsetzung einer auf der "jüdischen Ideologie" fußenden Politik mit all ihren verschiedenen Versionen als noch schlechteren Fall. Die ideologischen Verteidigungsmaßnahmen der israelischen Politik basieren in der Regel auf der jüdischen Religion und bei areligiösen Juden auf den "historischen Rechten" der Juden, die sich aus dieser Religion ableiten und den dogmatischen Charakter des religiösen Glaubens beibehalten.

Meine eigene schon früh einsetzende politische Wandlung von einem Bewunderer Ben Gurions zu einem ausgesprochenen Gegner begann genau bei diesem Problem. Im Jahre 1956 nahm ich direkt alle von Ben Gurion vorgebrachten politischen und militärischen Gründe für den Beginn des Suez-Krieges durch Israel in mir auf, bis er (obwohl er als Atheist stolz darauf war, die Gebote der jüdischen Religion nicht zu beachten) am dritten Tag des Krieges in der Knesset aussprach, daß der wirkliche Grund für den Krieg "die Wiederherstellung von Davids und Salomos Königreich" in seinen biblischen Grenzen sei. An dieser Stelle seiner Rede sprang nahezu jedes Knesset-Mitglied spontan auf und sang die Nationalhymne.

Meines Wissens hat sich kein zionistischer Politiker jemals von Ben Gurions Vorstellung distanziert, daß die israelische Politik (innerhalb pragmatischer Überlegungen) sich auf der Wiederherstellung der biblischen Grenzen als Grenzen des Judenstaates gründen müsse. In der Tat verdeutlicht eine nähere Analyse der israelischen Langzeitstrategie und der tatsächlichen Prinzipien der Außenpolitik, wie sie in hebräisch ausgedrückt sind, daß die israelische Realpolitik überwiegend durch die "jüdische Ideologie" bestimmt wird. Die Vernachlässigung des real existierenden Judaismus und der "jüdischen Ideologie" lassen diese Politik dem ausländischen Beobachter, der außer einigen oberflächlichen Apologien nichts über den Judaismus weiß, unverständlich erscheinen.

An dieser Stelle will ich ein weiteres Beispiel für den wesentlichen Unterschied anführen, der zwischen der aufgeblähten, aber säkulären imperialen Planung und den Prinzipien der "jüdischen Ideologie" besteht. Letztere befiehlt, daß jedes Territorium, das entweder von einem jüdischen Herrscher in der Antike regiert oder von Gott den Juden entweder in der Bibel oder, was politisch tatsächlich noch wichtiger ist, gemäß der rabbinischen Interpretation der Bibel und des Talmud, versprochen wurde, Israel gehöre, da dies ein Judenstaat sei. Zweifellos sind viele jüdische "Tauben" der Ansicht, daß solche Eroberungen auf einen Zeitpunkt zurückzustellen seien, zu dem Israel stärker als jetzt ist, oder daß es, wie man hofft, eine "friedliche Eroberung" geben könne, d.h. daß die arabischen Herrscher oder Völker sich "überzeugen lassen", das fragliche Land gegen Zahlungen abzutreten, die der Judenstaat dann an sie leisten würde.

Im Umlauf sind eine Reihe von sich widersprechenden Versionen der biblischen Grenzen des Landes Israels, die rabbinische Autoritäten so interpretieren, daß sie im Idealfall zum Judenstaat gehören. Nach der Maximalversion liegen folgende Gebiete innerhalb dieser Grenzen: Im Süden der gesamte Sinai und ein Teil des nördlichen Ägyptens bis in die Nähe von Kairo, im Osten das gesamte Jordanien und ein großes Stück von Saudi-Arabien, ganz Kuwait und ein Teil des Iraks südlich des Euphrat, im Norden der gesamte Libanon und Syrien zusammen mit einem großen Teil der Türkei (bis zum See Van) und im Westen Zypern. Umfangreiche auf diesen Grenzen beruhende Forschungen und gelehrte Dispute, dargestellt in Atlanten, Büchern, Artikeln und populären Formen der Propaganda, werden in Israel mit staatlicher Förderung veröffentlicht. Sicherlich wünschen der kürzlich verstorbene Rabbi Kahane und seine Anhänger sowie einflußreiche Vereinigungen wie der Gusch Emunim nicht nur die Eroberung dieser Gebiete durch Israel, sondern sehen es auch als göttlich befohlenes Gesetz an, und sie vertrauen auf den Erfolg, weil Gott mit ihnen ist.

In der Tat betrachten wichtige jüdische religiöse Persönlichkeiten die Weigerung Israels, solch einen Heiligen Krieg zu führen oder, noch gravierender, die Rückgabe des Sinai an Ägypten, als eine nationale Sünde, die von Gott gerechterweise bestraft wurde. Dov Lior, einer der Wortführer des Gusch Emunim und Rabbiner der jüdischen Siedlungen von Kirjat Arba und von Hebron, stellte wiederholt fest, daß die militärische Libanon-Pleite in den Jahren 1982 bis 1985 eine wohlverdiente göttliche Strafe für die Sünde sei, "einen Teil des Landes Israel", nämlich den Sinai, an Ägypten zurückgegeben zu haben.

Obwohl ich zugegebenermaßen ein extremes Beispiel für die biblischen Grenzen des Landes Israel, die zum "Judenstaat" "gehören", angeführt habe, sind diese Grenzen in nationalreligiösen Kreisen sehr populär. Es gibt aber auch weniger extreme Versionen der biblischen Grenzen, mitunter auch "historische Grenzen" genannt. Es muß jedoch hervorgehoben werden, daß in Israel und in der Diaspora das Konzept der biblischen bzw. der historischen Grenzen als Demarkationslinien des den Juden zustehenden Landes nicht prinzipiell abgelehnt wird. Eine Ausnahme bildet dabei eine winzige Minderheit, die das Konzept eines Judenstaates ablehnt. Andererseits sind Einwände gegen die Verwirklichung solcher Grenzen durch Krieg rein pragmatischer Natur. Man mag einwenden, daß Israel noch zu schwach zur Eroberung des gesamten Landes ist, das den Juden "gehört", oder daß der Verlust jüdischen (aber nicht arabischen!) Lebens als Folge eines Eroberungskrieges solcher Größe schwerwiegender als die Eroberung des Landes sei. Aber im normativen Judaismus kann man nicht bestreiten, daß das "Land Israel", in welchen Grenzen auch immer, nicht allen Juden "gehört". Im Mai 1993 schlug Ariel Scharon auf dem Likud-Parteitag formell vor, daß Israel das Konzept der "biblischen Grenzen" als offizielle Politik anerkenne. Es gab weder innerhalb noch außerhalb des Likud nennenswerte Einwände dagegen, und alle hatten pragmatische Gründe. Nicht einer fragte Scharon, wo denn genau die biblischen Grenzen lägen, die Israel seiner Meinung nach haben müsse. Wir wollen uns daran erinnern, daß es unter denjenigen, die sich selbst Leninisten nennen, keinen Zweifel gab, daß die Geschichte den von Marx und Lenin erarbeiteten Prinzipien folgt. Nicht aus dem dogmatischen Glauben selbst, sondern aus der Verhinderung offener Diskussionen und der dadurch bedingten Skrupellosigkeit erwächst eine totalitäre Geisteshaltung. Deshalb kann man von der israelisch-jüdischen Gesellschaft und den in der Diaspora lebenden Juden, bei denen es sich um Führer der "jüdischen" Leben handelt und die in rein jüdischen Vereinigungen organisiert sind, sagen, daß ihr Charakter einen stark totalitären Zug aufweist.

Seit den Anfängen des Staates wurde aber auch eine israelische Langzeitstrategie entwickelt, die sich nicht auf den Dogmen der "jüdischen Ideologie", sondern auf rein strategische oder imperialistische Überlegungen gründet. Der mittlerweile aus dem aktiven Dienst ausgeschiedene General Schlomo Gasit, ehemals Befehlhaber des militärischen Nachrichtendienstes, verfaßte solch eine maßgebende und erhellende Beschreibung der Prinzipien, auf denen sich solch eine Strategie aufbaut.

Gasit:

Die Hauptaufgabe Israels änderte sich [seit dem Ende der UdSSR] überhaupt nicht und bleibt von entscheidender Bedeutung. Die geographische Lage Israels in der Mitte des arabisch-moslemischen Nahen Ostens prädestiniert Israel dazu, ein aufmerksamer Wächter für Stabilität in allen benachbarten Ländern zu sein. Israels Rolle besteht darin, die vorhandenen Regimes zu schützen, den Prozeß einer Radikalisierung zu verhindern oder zu stoppen und die Expansion des fundamentalistischen religiösen Fanatismus einzudämmen.

Aus diesem Grund wird Israel Änderungen jenseits seiner Grenzen verhindern und diese dann als unannehmbar betrachten, wenn sie einen Punkt erreichen, an dem Israel seine gesamte militärische Macht zu deren Verhinderung oder Ausrottung einzusetzen zu müssen glaubt.

Mit anderen Worten, Israel zielt darauf ab, eine Hegemonie über die anderen Staaten im Nahen Osten zu erreichen. Nach den Worten von Gasit ist es unmittelbar einsichtig, daß Israel an der Stabilität der arabischen Regimes interessiert ist. Aus Gasits Sicht leistet Israel durch den Schutz der nahöstlichen Regimes einen lebenswichtigen Dienst für die "industriell hochentwickelten Staaten, die alle um die Stabilität im Nahen Osten äußerst besorgt sind". Er meint, daß ohne Israel die vorhandenen Regimes der Region schon längst zusammengebrochen wären, weil sie nur noch wegen der israelischen Bedrohung existieren. Diese Ansicht mag zwar heuchlerisch sein, doch sollte man sich in solchen Zusammenhängen an La Rochefoucaulds Maxime erinnern, daß "Heuchelei die Steuer ist, die die Niedertracht an die Tugend zahlt". Die Erlösung des Landes ist solch ein Versuch, die Zahlung einer derartigen Steuer zu vermeiden.

Selbstverständlich bekämpfe ich auch voll und ganz die nichtideologische Politik Israels, wie sie Gasit eindeutig und treffend beschreibt. Gleichzeitig erkenne ich an, daß die von der "jüdischen Ideologie" motivierte Politik Ben Gurions und Scharons viel gefährlicher als eine reine Machtpolitik, ja sogar kriminell ist. Die Auswirkungen dieser Politik auf andere ideologisch motivierte Regimes weisen in dieselbe Richtung. Schon das Vorhandensein einer wichtigen Komponente der israelischen Politik, die sich auf der "jüdischen Ideologie" gründet, verlangt zwingend eine politische Analyse. Diese Ideologie basiert wiederum auf der Einstellung des historischen Judaismus gegenüber Nichtjuden, die eines der Hauptthemen dieses Buches ist. Diese Haltung beeinflußt notwendigerweise - bewußt oder unbewußt - viele Juden. Unsere Aufgabe hier ist es also, den historischen Judaismus so zu behandeln, wie er ist. Der Einfluß der "jüdischen Ideologie" auf viele Juden ist desto stärker, je mehr er der öffentlichen Diskussion entzogen ist. Diese Diskussion wird hoffentlich viele Menschen dazu bringen, dieselbe Haltung gegenüber dem jüdischen Chauvinismus und der von so vielen Juden gegenüber Nichtjuden an den Tag gelegte Verachtung (die später dokumentiert werden soll) einzunehmen, die man normalerweise gegen Antisemitismus und alle anderen Formen der Fremdenfeindlichkeit, des Chauvinismus und des Rassismus entgegenbringt.

Man kann von der Annahme ausgehen, daß nur die umfassende Beschreibung sowohl des Antisemitismus als auch seiner historischen Wurzeln die Grundlage für den Kampf gegen ihn sein kann. Desgleichen sehe ich voraus, daß nur eine vollständige Darstellung des jüdischen Chauvinismus und des religiösen Fanatismus die Basis für den Kampf gegen diese Erscheinungen sein kann. Dies gilt gerade für die heutige Zeit, in der im Gegensatz zu der vor 50 oder 60 Jahren vorherrschende Lage der politische Einfluß des jüdischen Chauvinismus und religiösen Fanatismus viel größer ist als der des Antisemitismus. Da ist aber noch ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt. Ich bin davon überzeugt, daß der Antisemitismus und der jüdische Chauvinismus nur zusammen bekämpft werden können.

Folgende Seite:
Ein geschlossenes Utopia?

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Israel Shahak:
(Online)
"Jüdische Religion, Jüdische Geschichte":
Inhaltsverzeichnis: 

A/ 1- Israel - ein Utopia für Auserwählte?

B/ 6- Vorurteile und Verfälschungen

C/ 12- Orthodoxie und Interpretation

D/ 23- Die Bürde der Geschichte

E/ 33- Gesetze gegen Nichtjuden

F/ 49- Politische Konsequenzen




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Jewish History, Jewish Religion


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