Bücher von Ahmed Rami:
Ein Leben für Freiheit
Die Macht der Zionisten
Ein moderner Hexenprozess


This Pravda ´s article is translated to:
Swedish
French
Russian
Português
Deutsch

Der folgende Artikel &emdash; hier in deutscher Übersetzung &emdash; wurde in der
grossen russischen Zeitung
Pravda am 15.Juli 1997 veröffentlicht:

Radio Islams Idealismus

Vor über 25 Jahren gab König Hassan II. die Order, den ehemaligen Lautnant Ahmed Rami auf- zufinden und nach Marokko zu bringen. Er hatte an mindestens zwei Verschwörungen teilgenommen, die den Sturz der Monarchie und die Errichtung einer islamischen Republik zum Ziel hatten. Der marokkanische Sicherheitsdienst konnte den Auftrag des Königs nicht erledigen.

Heute ist diese sympathische, jugendliche und unglaublich energische Person eine der populärsten in Schweden, aber gleichzeitig auch eine der meist gehassten. Seine politischen Ansichten werden im Reichstag diskutiert und, wie gesagt wird, auch in Regierungskreisen. Er hat vier dicke Bücher geschrieben und herausgegeben. In diesen legt er überzeugend dar, dass in Schweden, wie überall im Westen, der Grund für das nationale Leben untergraben ist, und dass es von Menschen gelenkt wird, die nichts mit echter Demokratie gemeinsam haben, sondern feindliche Ziele gegen ihre Völker zu verwirklichen anstreben. Es ist die berüchtigte „Neue Weltordnung". Rami, der heute schwedischer Staatsbürger ist, wiederholt dies nimmermüde in den Sendungen von Radio Islam.

Begreiflich, dass derartige Ansichten nicht geschätzt werden, sondern &emdash; milde ausgedrückt &emdash; merkbare Irritation innerhalb der „Welt der Mächtigen" wecken. Vor einigen Jahren wurde er (ein Araber und hundertprozentiger Semit) des Antisemitismus angeklagt. Er wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt und verbrachte ein halbes Jahr hinter Gittern. Erstaunlicherweise wurde festgestellt, dass er der einzige politische Gefangene in ganz Schweden war.

Trotz allem ist Ahmed Rami kein gebrochener Mann und hat keineswegs seinen Mut verloren. Das Gefängnis hat ihn möglicherweise nur gestärkt und überzeugt, dass er recht hat. Radio Islams Sendungen gehen weiter und der mutige Marokkaner denkt nicht daran, den Kampf abzubrechen. Für ihn ist es lebenswichtig, „dass Völker in allen Ländern wirklich unanhängig sein dürfen und sich nicht jener Minorität unterordnen, die sich die Macht zugeschanzt hat".


Was ist der Grund für seine Überzeugung? Was gibt ihm die Kraft, laut auszu-sprechen, was die Majorität nicht einmal zu denken wagt? Begreift er, wogegen er die Hand erhebt, wer es ist, den er herausfordert? Als ich Ahmed Rami traf, konnte ich es nicht sein lassen, ihm diese Fragen zu stellen.

A.R.: Seit meiner Jugend halte ich an der sozialistischen Überzeugung fest. Ich strebte immer nach Gleichheit und Gerechtigkeit. Daher schloss ich mich der „Volksunion" (UNFP), gegründet von Ben-Barka, der später von der Geheimpolizei ermordet wurde, an. König Hassan II. hat seinen Tod ganz und gar auf seinem Gewissen. Er lenkt das Land seit vielen Jahrzehnten mit mittelalterlicher Grausamkeit und ist hauptsächlich ein Schützling fremder Mächte, vor allem Israels und Israels USA.

Bisweilen kann man hören Marokko sei eine demokratische Monarchie. Und damit meint man eine „Judenkratie". Man darf jeden kritisieren, nur nicht den, der die wirkliche Macht hat. Die halten sich immer verborgen und deren Namen dürfen überhaupt nicht genannt werden.

Der König kann keinen Schritt ohne den Juden André Azoulay machen &emdash; einen zionistischen Ratgeber aus Kanada. Azoulay und seinesgleichen bestimmen nunmehr über Marokkos Staats-angelegenheiten. Ausbildung, Massenmedien und das ganze Gesellschaftsleben wird von diesen Herren bestimmt und nicht von den Marokkanern selbst. Sie zeigen die Richtung und bestimmen, von welchen Idealen die Bürger sich im täglichen Leben leiten lassen sollen. Mit Sicherheit kann man sagen, dass wir in diesem Araberland die wirkliche zionistische Zensur, die „Demokratie" heisst, haben. Daher kann nie die Rede von einem freien Willen des Volkes oder von einem freien Wort sein. Im übrigen hat mich meine eigene Erfahrung überzeugt, dass die Situation in anderen Ländern nicht besser ist.

In Schweden ist die „Gehirnwäsche" in vollem Gang und man zwingt dem Volk anti-schwedische Wertmasstäbe auf. Es sind nur die völlig Blinden und Tauben, die dies nicht bemerken. Es ist das Werk des zionistischen intellektuellen Terrors und der Desinformation, dass das Volk die Existenz einer jüdischen Macht verneint, aber gleichzeitig Todesangst vor ihr hat! Mit allem Recht können die Schweden stolz auf ihren hohen Lebensstandard sein, aber hartnäckig weigern sie sich einzusehen, was man ihnen weggenommen hat.

Die Macht über die Banken, Massenmedien und Wirtschaft liegt in den Händen einer kleinen Gruppe „Auserwählter". Der gesamte Unterricht in Schulen und auf Universitäten wird auf eine im Sinne diese Minorität vorteilhafte Weise betrieben. Darüber hinaus wird die Geschichte, einschliesslich nicht allzu ferner Ereignisse, im Interesse der Minorität gedeutet. Aber die Wahrheit ist eine ganz andere als die, die das Fernsehen zeigt. Und was ist das für eine Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie, wenn die Macht einer Minorität gehört? Dies gilt auch für Schweden.

In der vorhergegangenen Regierung war der Koordinationsminister &emdash; ein sehr wichtiger Posten &emdash; Jan Nygren, ein Repräsentant für die ethnische Minorität. In keiner Weise versuchte er zu verbergen, dass er sich als Herr über Schweden fühlte. In der „Jüdischen Chronik" veröffentlichte er einen Artikel, in dem er ganz offen und beredt von „Meinem jüdischen Schweden" schrieb. Dieser Mensch hatte viel zu sagen, wenn es galt Regierungsposten zu besetzen!

Nun ist Nygren ausgeschieden, aber dafür kam als „nächster Mann" des Ministerpräsidenten ein anderer der „Auserwählten", ein sehr reicher Spekulant, Leif Pagrotsky, auf den Posten des stellvertretenden Finanzministers. Heute ist er ausserdem Aussenhandelsminister und damit ein wichtiger Vertreter für „Die goldene Internationale".


Unter welcher Regierung &emdash; sozialdemokratisch oder bürgerlich &emdash; merkt man den grössten Einfluss dieser Minorität?

A.R.: Es spielt überhaupt keine Rolle, welche Regierung das Land hat. Der Unterschied &emdash; rechts/links &emdash; hat einen falschen Charakter. Die Macht besitzt der, der die finanziellen Mittel und die Massenmedien besitzt. Geradeheraus gesagt: In Schweden sind alle politischen Parteien vollständig judaisiert. Der Streit findet nicht zwischen rechts und links statt, wie unwissende Menschen meinen, sondern zwischen verschiedenen zionistischen Klanen. Sie kämpfen nicht für das Beste des Landes, sondern für den eigenen Vorteil.


Gibt es viele in Schweden, die die gleiche Auffassung haben?

A.R.: Nein, nicht viele. Wie Sie sich denken können, ist es unter einem so harten intellektuellen, politischen und polizeilichen Terror für die meisten schwer, Zivilcourage zu prioritieren. Es ist vermutlich der primitive Selbsterhaltungstrieb, der funktioniert. Alle wollen gut essen und trinken und sich so wenig Sorgen wie möglich machen. Aber trotzdem erhalte ich Antworten auf die Sendungen von Radio Islam. Ich erhalte dutzende, wenn nicht hunderte Briefe, auch aus anderen Ländern. Dank Internet wurde es einfacher miteinander umzugehen und Informationen auszutauschen. Ich hoffe, dass ich auch Gesinnungsgenossen in Russland finden werde. Die neu ausgeschlüpften Sklavenhalter fürchten immer noch Ihr Land, obwohl es ihnen gelungen ist, es zu zerschlagen.


Möchten Sie nicht nach Russland reisen?

A.R.: Ich glaube, dass dies ausserordentlich gefährlich wäre. Bei Ihnen ist heute die Kriminalität grösser als in den USA. Nach mir zugänglichen Informationen sind viele Antizionisten unter eigentümlichen und dunklen Umständen gestorben. Entweder sind sie während einer gewöhnlichen ärztlichen Untersuchung gestorben, obwohl sie nie irgendwelche Gesundheitsprobleme gehabt hatten, oder sie wurden von einem Auto überfahren, oder sie wurden erhängt aufgefunden. In keinem Fall fand man die Mörder, oder genauer gesagt: man suchte nicht einmal nach ihnen.

„Schwedische" Zeitungen &emdash; und Sie wissen, wer diese besitzt oder steuert &emdash; schreiben ständig über Ihr Land als eine „Gefahr" und geben ein Bild vom heutigen Russland als ein Paradies für die Maffia. Ihr Land war immer und wird es immer bleiben: die absolut grösste Bedrohung für „das kleine Volk", das nicht aufhört Russland zu fürchten, wenn es auch so aussieht, als wäre das Land besiegt und nach all den Experimenten der auserwählten „Übermenschen" kaum zu atmen vermag. Ich ziehe diesen Schluss, nachdem ich die anti-russischen Artikel, die weiterhin in der schwedischen Presse auftauchen, gelesen habe. Einige dieser sind von dem in Schweden bekannten Politiker Per Ahlmark geschrieben. Und es ist offensichtlich kein Zufall, dass Israel ihm zu Ehren &emdash; auf von den Palästinensern gestohlenem Boden &emdash; einen neugepflanzten Wald nach ihm genannt hat. Ahlmark wurde auch von der jüdischen Gemeinde Dänemarks zum Ben Adam, zum Menschen, ernannt.


Haben Sie nicht Angst, in Schweden zu wohnen? Sie sind ja schon hinter Gittern gesessen.

A.R.: Ein gläubiger Mensch hat nichts zu fürchten. Ich bin Drohungen gewohnt und eben wird eine gewaltige Kampagne gegen mich und Radio Islam betrieben. Aber in Stockholm kann man immer noch sagen, was man denkt, wenn man auch nicht allzu viele Anhänger hat. Heute betrachten Mafiosos der ganzen Welt sich selbst als Sieger. Aus deren Blickwinkel ist das „Spiel entschieden". Und selbstverständlich kan der, der die Wahrheit sagt, sich nirgend-wo sicher fühlen. Erst heute erhielt ich einen Brief folgenden Inhalts: „Du dreckiges arabisches Schwein, was willst Du denn erreichen? Wir lachen über Deine kümmerlichen Anstrengungen. Wir geniessen es, nach einer Flasche Vodka Absolut Deine Programme zu hören. Wir haben die ganze Welt in unseren Händen. Und wenn wir dazu Lust haben, verschwindest Du von der Erdoberfläche wie eine Fliege, und niemand wird auch nur einen Mucks machen und Deinem Verschwinden Beachtung schenken."


Aber wonach streben Sie eigentlich?

A.R.: Ich strebe nach dem, wonach &emdash; nach meiner Ansicht &emdash; jeder Mensch streben sollte: Freiheit und Gerechtigkeit. In dieser von Allah geschaffenen Welt darf niemand Privilegien haben &emdash; einschliesslich der zionistischen Maffia, die sich schon unermessliche Macht und Reichtümer durch Lügen, Hinterlist, Betrug und verächtliche Gaunereien geschaffen hat. Heute feiern sie das grenzen- und endlose Purimfest. Lasst Schweden, Russen, Araber und andere Völker ebenbürtig mit jenen sein, die sich selbst auserwählt und über allen anderen Völkern stehend betrachten.

Ich bin Muslim und das bedeutet, dass ich gegen alle Privilegien bin, besonders die, die nur auf Macht und das Gesetz des Djungels gebaut sind. Ich hoffe, dass ich mich einfach und klar ausgedrückt habe und dass Sie verstehen, wer meine Ansichten und Taten verabscheut.

Irgendjemand könnte Ahmed Rami vielleicht einen Paranoiker nennen oder eine Person mit einer fixen Idee. Ich selbst sehe ihn als eine Person, der dank seiner exeptionellen Selbstaufopferung die Grenzen zwischen Gut und Böse, Wahrheit und Lüge, Freiheit und Sklaverei noch nicht endgültig ausgelöscht hat. Man kann nur bedauern, dass diese Idealisten &emdash; wie Rami &emdash; in unserer allzu pragmatischen Welt, in der es bedeutend vorteilhafter ist, listig zu sein und sich anzupassen, als sich selbst zu sein, immer weniger werden. Man kann Ahmed Rami nicht kaufen. Daher ist er gehasst und gefährlich für alle Fürsprecher der „Neuen Weltordnung" &emdash; sowohl in Schweden als auch weit ausserhalb des Landes Grenzen.

Valentin Prussakov, Korrespondent der Pravda.




 


English

Russian

Swedish

Português

Deutsch
Die grösste (der Regierung nahestehende) marokkanische Wochenzeitschrift, Maroc Hebdo International, herausgegeben in Casablanca, veröffentlichte am 22.7.1994, beginnend auf der ersten Seite, ein zweiseitiges Interview mit Ahmed Rami. Dieses Interview wurde auch am 1.9.1994 in der grossen französischen Zeitung Courrier International (herausgegeben in Paris) veröffentlicht. Hier folgt nun die deutsche Übersetzung.

Ahmed Rami
Teilnehmer an zwei StaatscoupversuchenInterviewt von Mustapha Tossa

Ahmed Rami wurde 1946 in Tafraout in Marokko geboren. Er besuchte die Oberschule in Tiznit im Süden Marokkos. Von 1963 bis 1966 arbeitete er als Lehrer für Geschichte und Geographie an Gymnasien in Casablanca. 1966 setzte er seine Ausbildung an der Militärakademie in Meknes fort. 1968 wurde er als Leutnant zum Stab der Panzertruppen nach Rabat versetzt.

1971 nahm er in Skhirat an einem Staatscoupversuch teil. 1972 an einem zweiten, beginnend mit einem Angriff auf das königliche Flugzeug. Er verliess sein Land und erreichte ein Jahr später Schweden, wo er als Flüchtling Aufnahme fand und die schwedische Staatsbürgerschaft erhielt. Nachdem er früher aktives Mitglied der UNFP (Union Nationale des Forces Populaires) gewesen war, bezeichnet er sich heute als militanter Islamist, jedoch als einer, der über den „Debatten über Volkstum und Riten" steht. Nach umfassenden eigenen Studien veröf-fentlichte er zahlreiche Bücher auf Schwedisch (der Sprache seines neuen Heimatlandes) über die palästinen-sische Frage, den Staat Israel und die Konflikte zwischen Muslimen und Juden. Zwanzig Jahre haben Ahmed Rami verändert. Heute glaubt er an einen friedlichen politischen Dialog, unter der Voraussetzung „dass alle Freiheiten im Kern der Staatsregierung gesetzlich garantiert sind".


Bezüglich der königlichen Erklärung vom 8.Juli (in der politische Flüchtlinge zur Rück-kehr eingeladen werden) : Glauben Sie, dass es Sie betrifft?

Ahmed Rami: Ich habe die Angewohnheit, an Taten und nicht an Worte zu glauben. Wenn auf eine Erklärung keine konkreten Handlungen folgen, wird sie sinnlos. Natürlich fühle ich mich von allem berührt, was sich in meinem Land ereignet. Es muss hinzugefügt werden, dass die marokkanische Gesellschaft nun durch eine entscheidende Phase ihrer Geschichte geht. Zu meiner persönlichen Lage: ich bin kein gewöhnlicher politischer Flüchtling. Ich habe in den Siebzigerjahren direkt oder indirekt an zwei Versuchen zu einem Staatscoup teilge-nommen (den Angriff auf den königlichen Palast in Skhirat am 10.Juli 1971 und den Angriff auf das Flugzeug Hassan II. am 16.August 1972), nachdem ich Aktivist in der UNFP gewesen war. Mein Fall kann nur auf höchstem militärischen Niveau behandelt werden.


Ist Ihre Rückkehr nach Marokko unter den gegenwärtigen Verhältnissen denkbar &emdash; und wie?

Ahmed Rami: Sie müssen wissen, dass ich meine Rückkehr nach Marokko als keine unbe-dingte Notwendigkeit betrachte. Natürlich ist es mein heissester Wunsch, mein Volk zu retten, besonders meine Mutter und meinen Bruder, denen glücklicherweise nie zugesetzt wurde, ebensowenig meinem Vater, der übrigens vor zwei Jahren in Ruhe in seinem Heim in Marokko verstarb. Wegen meines Exils konnte ich ihn nicht ein letztes mal sehen.


Sind Sie entschlossen, in Ihr Land zurückzukehren?

Ahmed Rami: Wenn Sie meine Sicherheit und mir die Freiheit meine Meinung auszudrücken garantieren, würde ich das nächste Flugzeug nehmen. Wissen Sie, jedes Exil ist leidvoll, aber das Leid ist weniger hart, wenn der Betroffene für die Verwirklichung seiner Ideale und Über-zeugungen kämpft.


Mit anderen Worten: Ihre Rückkehr nach Marokko bleibt hypothetisch?

Ahmed Rami: Ich wiederhole, dass ich kein gewöhnlicher politischer Flüchtling bin. Mein Fall kann nur auf höchstem Niveau von einer militärischen Behörde behandelt werden, d.h.vom Staatsoberhaupt. Mein Traum ist jedoch, zu einem Land, das nach den Prinzipien der Freiheit und Gerechtigkeit regiert wird, zurückkehren zu können. Falls jene, die sich in ver-antwortlichen Stellungen befinden, dies wünschen, könnte Marokko für die ganze arabisch-islamische Welt zum Vorbild für einen milden und friedlichen Übergang zur Demokratie werden.

Staatscoups sind die schlechteste Alternative für ein Land. Heute ist es sinnlos, sich über das Geschehene zu grämen. Es gehört zur Vergangenheit. Aber die Zustände bezüglich Unter-drückung und Korruption waren damals derart, dass ein Staatscoup der einzige Weg war, die Unzufriedenheit wirkungsvoll auszudrücken.

Damals war ich nur 25 Jahre alt, demnach jung, ungeduldig, dynamisch und hitzig. Wie die meisten Jungen meiner Generation wollte ich die Welt verändern, aber wie? Manche ver-suchten dies mit ideologischen Diskussionen, andere, wie ich, mit Taten. Vergessen Sie nicht, dass ich in der Armee war, wo man gewohnt ist, mehr zu handeln als zu reden


.Dann drückten Sie sich mit Hilfe der Waffen aus. War das eine gute Lösung?

Ahmed Rami:
Es war die schlechteste Lösung. Es ist ein Zeichen von Schwäche in unserer Gesellschaft, wenn ein Bedarf zur Zuflucht zu Gewalt bestand. Aber all dies ist nun Geschichte. Zwingen Sie mich nicht, in der Vergangenheit, die wir hinter uns haben, herum-zurühren. Heute bedeutet der Islam für mich eine neue moralische Verpflichtung.


Aber konnten Sie diese Auffassung nicht schon immer als Mitglied einer politischen Partei in Marokko ausdrücken?

Ahmed Rami: Die politischen Parteien in Marokko sind kaum repräsentativ. Es besteht ein tatsächlicher Bruch zwischen diesen Organisationen und dem marokkanischem Volk. Ausserdem darf man in Marokko noch nicht Die Partei, die wir wünschen gründen. Dies ist nicht etwa meine Erfindung &emdash; es ist die Tatsache.

Das Problem hat nicht so viel mit der Form des Regimes zu tun, wie mit dessen Art und tatsächlichen Absichten. Die gegenwärtigen politischen Parteien bestehen gerade einmal der Form halber und bilden einen wesentlichen Teil des Regimes, das sie geschaffen hat, um seine wirkliche Natur zu verbergen. Dieses Regime &emdash; wie alle anderen heutigen arabischen Regime &emdash; hat keine Legitimität. Das ist das wesentliche Problem. Gebt uns Freiheit der Meinungsäusserung und Organisierung (auch für die Islamisten!), gebt uns einen echten politischen Pluralismus, gebt uns eine wahre Veränderung &emdash; gleich welcher Art &emdash; und nennt dies, was immer Ihr wollt! Und wir werden ein angemessenes arabisches Wort dafür finden! Wir müssen Demokratie als eine Methode definieren, eher Spielregeln für das politische Spiel, als einen bestimmtem ideologischen Inhalt (der Islam ist unsere einzige Ideologie). Die Demokratie ist eine neutrale Methode, etwa wie die Mathematik, und notwendig für das gute Funktionieren jeder menschlichen Gesellschaft.


Sie sind ein politischer Flüchtling in Schweden. Können Sie uns etwas über Ihre Tätigkeiten in diesem Land erzählen?

Ahmed Rami: Als Islamist muss ich global denken und lokal handeln. Als ich nach Schweden kam, erkannte ich rasch, dass immer über unsere Moslem-Identität gespottet wurde. So schuf ich Radio Islam. Ich kann Ihnen versichern, dass ich in diesem Sender mein Land niemals schlecht gemacht habe, da ich finde, dass man die Schmutzwäsche nicht international in der Öffentlichkeit waschen sollte. Die Themen in unserem Radio sind unter anderem das Palästinensische Problem, der Golfkrieg und die Situation der Moslems in der ganzen Welt.

Wegen des Palästinensischen Problems wurde ich in einen Konflikt mit der zionistischen Lobby in Schweden und in der ganzen Welt gezogen und ich habe einige Bücher auf schwedisch darüber geschrieben. Die Jüdische Lobby brachte mich dafür „wegen Mangel an Respekt für das Jüdische Volk" auf sechs Monate ins Gefängnis. Dies ist im Effekt ein Kampf mit ungleichen Waffen.


Sie sind bekannt, bevorzugte Beziehungen zum iranischen Regime zu unterhalten . . ..

Ahmed Rami: Ganz richtig, am Ende meines Gerichtsverfahrens, das eine wichtige Auf-merksamkeit in den Medien hervorrief. Ich wurde von den Iraniern eingeladen, nach Teheran zu kommen. Mein Fall wurde auf höchster Ebene in der Islamischen Republik diskutiert und das Parlament diskutierte die Einzelheiten in meinem Urteil.


Hat der Iran Ihre Tätigkeiten in Schweden finanziert?

Ahmed Rami: Wenn ich je auch nur den kleinsten Betrag von den Iraniern erhalten hätte, glauben Sie mir, die Jüdische Lobby in Schweden hätte nie gezögert, es von allen Dächern herunter zu schreien. Ich habe nie von wem auch immer irgendeine Donation erhalten. Radio Islam wird von seinen Hörern finanziert. Meine Bücher wurden von wohlwollenden und bekannten Schweden gedruckt. Ich habe diesen Weg gewählt, um nicht von irgendjemand abhängig zu sein, und dies erhält mir meine Meinungsfreiheit und Kritk und meine Würde als freier Moslem.


Halten Sie Beziehungen zu marokkanischen Islamisten aufrecht?

Ahmed Rami: Ich halte einige Beziehungen aufrecht aber ich gehöre keiner Bewegung an.


Was hält Sie ab, einer islamischen Bewegung anzugehören?

Ahmed Rami: Meine Verbindung zu ihnen erlaubt mir, ihre Meinung zu hören. Eine aufgeklärte und radikale islamische Revolution ist der einzige Weg zur Rettung unserer Nation. Die islamistischen Bewegungen sind unsere einzige Chance, diese Revolution zu verwirklichen. Heute scheinen die Islamisten die einzigen zu sein, die der kulturellen Deka-denz Widerstand bieten. Es kann natürlich nicht verneint werden, dass gewisse islamistische Bewegungen noch nicht gelernt haben, sich mit dem Wesentlichen zuerst zu befassen. Wenn ich für eine Wiedererweckung und Renaissance des Islam kämpfe und für die Errichtung eines islamischen Staates, dann nicht, um dummen Fanatikern die Macht zu geben, wie einigen von jenen in Afghanistan oder in Kuwait, intoleranten Menschen, die dem Islam schaden. Einige dieser „Islamisten" wissen mehr über das siebente Jahrhundert als über das wanzigste.

Das Ziel des Islam ist die Befreiung der Menschen. Im Islam ist die Freiheit die Regel, Verbot ist die Ausnahme. Im idealen islamischen Staat, den ich empfehle, ist das fundamentale Prinzip das einer Freiheit, die den Pluralismus von Ideen garantiert, der geführt ist vom Koran, der Sunna und dem gesunden Menschenverstand Ijtihad. Die islamistischen Bewegungen zeigen immer noch einen grossen Mangel an intelligenten, aufgeklärten und kompetenten politischen Kadern, die im stande sind, wirkliche islamische Belange ebenso zu behandeln, wie die Probleme unserer Zeit. Die einzige Bewegung, die zu einem gewissen Grad mit einer derartigen stabilen Struktur begabt zu sein scheint, ist die Hizbollah im Libanon. Bei drei Gelegenheiten bin ich mit deren spirituellem Führer Mohammed Hussein Fadlallah zusammengetroffen, der die Eigenschaften eines grossen Führers zeigt. Im Libanon gibt es ein relativ demokratisches System mit Äusserungsfreiheit, das günstig für eine gesunde politische Entwicklung und das Auftauchen von geeigneten Führern zu sein scheint. Aber diese libanesische Demokratie ist nicht vom Himmel gefallen, sie entstand in einem heroischen Kampf.

Es besteht die Gefahr, dass einige der „islamistischen" Bewegungen an der gleichen Krankheit leiden, die sie zu bekämpfen vorgeben. Inkompetente und machthungrige „Führer" &emdash; geschaffen von den gegenwärtigen Regimen &emdash; können sich leicht einschleichen und die der Bewegung obliegende Geheimhaltung zur Errichtung einer internen Diktatur nutzen. Um dies zu vermeiden, ist es wesentlich, die Schaffung verschiedener islamistischer politischer Par-teien zu erlauben und eine freie Debatte zu sichern. Die Hauptfeinde unserer Nationen sind die in unseren Ländern etablierten korrupten tyrannischen Regime. Nur die Islamisten sind fähig, sie zu bekämpfen, und mit den durch ihre Handlungen gemachten Erfahrungen werden die Islamisten und deren Organisationen reifen. Die Islamische Republik des Iran ist ein Beweis dafür. Sie ist der einzige repräsentative und legitimierte Staat in der moslemischen Welt.


Haben Sie politische Verbindungen mit anderen Marokkanern im Exil?

Ahmed Rami: Ich treffe oft solche Leute und ich habe freundschaftliche Beziehungen zu Abdelmoumen Diouri. Aber meine Verbindungen zu Marokkanern sind nicht nur auf im Exil lebende beschränkt. Bei verschiedenen Gelegenheiten habe ich Abderrahmane Youssoufi (den gegenwärtigen Premiärminister) getroffen, den ich wegen seiner Rechtschaffenheit schätze.


Welche Stellung beziehen Sie zur Sahara-Affaire?

Ahmed Rami: Meine Einstellung war immer klar. Ich teile die Meinung des Volkes in Marokko bezüglich seiner Rechte in der Sahara. Meiner Meinung nach sollte auch Mauretanien und Algerien sich mit meinem Heimatland vereinigen. Wenn ich in Marokko wohnen würde, hätte ich Seite an Seite mit meinen Kameraden für die Einheit der moslemischen Länder und für die Wiedervereinigung unserer Provinzen in der Sahara gekämpft. Ich erinnere mich, dass ich, nachdem ich Marokko verlassen hatte, von Präsident Boumedienne in Algerien eingeladen wurde. Ich wurde mit grossem Pomp empfangen und der Präsident bot mir die Funktion als "militärischer Führer" der "Polisario" an. Meine Antwort war: "Wenn ich gewollt hätte, mich für einen Staat zu prostituieren, hätte ich Marokko nie verlassen". Bei verschiedenen Gelegenheiten während meines Aufenthaltes im Ausland weigerte ich mich stets an Treffen teilzunehmen, wo es Vertreter der Polisario-Söldner gab.



Wer ist der Interviewer Ahmed Rami?
Ahmed Rami, Europa-Korrespondent von ALSHAAB, ist ein islamistischer Kämpfer marokkanischer Herkunft. Sein Lebensweg ist in vielem typisch für seine Generation. Er wurde der Mittäterschaft am gescheiterten Putsch im Juli 1971 gegen Hassan II beschuldigt. Damals war Rami Offizier der marokkanischen Armee. Er wurde zum Tode verurteilt, konnte jedoch ins Ausland flüchten. Er gehört zu den Bewunderern Ägyptens und Nassers. Rami lebt heute nicht nur in Schweden. sondern er ist mittlerweile schwedischer Staatsbürger geworden. Er hat in seiner neuen Heimat den Radiosender Radio Islam gegründet.

Ahmed Rami sieht im Islam die Möglichkeit zur Einigung der arabischen Nation. Seine Hochachtung gilt auch heute noch der Nasser-Epoche. Bei aller Leidenschaft für die vergangenheit ist sein Blick jedoch in die Zukunft gerichtet. Die Zukunft gehört nacb seiner Auffassung der islamischen Bewegung und er identifiziert sich mit den Ansicht-en der islamischen Aktionspartei Ägyptens. Er ist ab jetzt für unsere Zeitung als Europa-Korrespondent tätig. Wir nehmen ihn mit Freude in die Reihen der Mitarbeiter von ALSHAAB auf.

Ahmed Rami leistet in Schweden Außergewöhnliches. Fast als einziger kämpft er dort gegen die zionistische Infiltration. Rami betreibt seinen Radiosender Radio-Islam (der Sender ist aus finanziellen Gründen vorübergehend inaktiv) von seiner 20 qm großen Wohnung aus. Eine größere Wohnung will er nicht mieten. weil er an seine Rückkehr nach Marokko oder in einen anderen Teil seines arabischen Vaterlandes denkt.

Aus seiner Feder stammen vier umfangreiche, die Zionisten demaskierende Bücher in schwedischer Sprache. Schwedische Christen haben deren Druck finanziert! In Schweden kennt jedermann Ahmed Rami. Seine politischen Ansichten werden im Parlament und bisweilen von der schwedischen Regierung erörtert. Allerdings ist es den jüdischen Organisationen gelungen, ihn wegen eines sogenannten Antisemitismus anzuklagen und ihn für sechs Monate ins Gefängnis zu bringen. Während seines Gefängnisaufenthaltes organisierte er die Sendungen von Radio-Islam von der Gefängniszelle aus.

Das Gefängnis verließ er als ungebeugter antizionistischer Widerstandskämpfer. Als Korrespondent von ALSHAAB führt er nun den Kampf auf anderer Ebene weiter. Gott segne und schütze ihn sowie alle Menschen seinesgleichen zum Wohle unserer Nation!

Magdy Hussein
ALSHAAB